Rezensionen
Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck




Weißer Sommer
„Unter welcher Last bricht bedingungslose Liebe?“
In dem Sommer, in dem Alma Théo kennengelernt hat, war gerade ihr Großvater gestorben und sie hatte sich die Haare rosa gefärbt. Auch das vielleicht ein kleiner Akt der Rebellion – ihr schönes blondes Haar! – gegen ihre so auf Perfektion bedachten Eltern. Ihren Vater erlebt Alma nur ungeduldig, die Mutter immer kühl. Liebe ist für Alma immer an Bedingungen geknüpft, sie muss sie verdienen, härter arbeiten als alle anderen, schlauer sein, besser sein,
Doch dann trifft sie Théo, den jungen Steinmetz, und etwas löst sich in Alma. „Seit sie Théo kennengelernt hatte, fühlte sie sich entknotet von ihrer Wut… Alles, was sie sonst verletzt hätte, wog weniger schwer. Mit Théo im Hinterkopf ließ sich vieles leiser drehen.“
Jetzt ist wieder Sommer, vier Jahre Beziehung liegen hinter den beiden, es waren vier glückliche Jahre.
Und jetzt? Was ist übrig geblieben von dieser Liebe?
Im Sommerhaus in Frankreich, wo alles begonnen hat, treffen sich die beiden wieder. Drei Monate haben sie sich nicht gesehen. Alma hat in Paris studiert, Théo ist zunächst allein in der Wohnung in München geblieben und dann nach Berlin gegangen.
In Rückblenden lassen die beiden die gemeinsame Zeit Revue passieren, um sich darüber klar zu werden, ob ein gemeinsames Leben weiterhin möglich ist. Sind sie mit Mitte zwanzig zu jung, um sich dauerhaft aneinander zu binden? Wollen sie wirklich das gleiche vom Leben?
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass es vor allem Alma ist, die zweifelt.
Die Zerrissenheit dieser jungen Frau, die so viel Zeit ihrer Zwanziger mit diesem einen Partner verbracht hat, die so jung war, als sie sich kennengelernt haben, die sich immer wieder fragt, wieviel von seinen Werten und Meinungen sie übernommen hat, und ob man die perfekte Person für sich gefunden hat und trotzdem nicht die Kapazität hat, sich auf sie einzulassen, und die Angst, irgendetwas zu verpassen – und dazu die kluge Antwort von Almas Cousine Inès: „Es ist auch keine Schwäche, sich FÜR jemanden zu entscheiden.“ – diese Passage war für mich eine der eindrücklichsten, der stärksten.
Man wünscht den beiden, Alma und Théo, dass sie es schaffen, und Eva Pramschüfer nährt diese Hoffnung mit so vielen traurig-schönen Sätzen:
„So könnte es bleiben… Ein milder Spätsommer, der langsam in den Herbst kippte. Sich nach vorn bewegen, strampeln und vorankommen, und sie beide zusammen, endlich, an einem Ort, kein Zentimeter mehr zwischen ihnen.“
„Théo fühlte sich, mit ihrer Hand in seiner, als wäre alles möglich, als könne der Boden aufbrechen und der Himmel zwischen dem Asphalt hervorscheinen, als könnte der Mond neben der Sonne im Himmel stehen.“
„Mit Alma zu sein, ihre Hand zu halten, fühlt sich wie der Moment an, wenn man im starken Regen unter einer Brücke hindurchfährt. Dieser Moment des Friedens.“
„Weißer Sommer“ ist ein ganz wunderbarer Roman, und ich finde, man sollte ihn unbedingt jetzt lesen, an diesen knallheißen Tagen. Die flirrende Hitze Südfrankreichs, die bittersüß-melancholische Stimmung und demgegenüber die kühle Distanz und die zunehmende Sprachlosigkeit, mit der sich ihre beiden Protagonisten herumschlagen müssen – das alles beschreibt Eva Pramschüfer sehr bildhaft und oft in einer fast schon poetischen Sprache.
nessabo




Sehr poetisch und sprachlich besonders - hat mich aber zu spät an sich herangelassen
Ich hatte aufgrund der guten Besprechungen wirklich hohe Erwartungen an das Debüt von Eva Pramschüfer. Und ich halte sie wirklich für eine ganz besondere literarische Stimme mit großem Talent. Leider hat mich die von ihr gewählte Sprache aber einfach nicht so erreichen können, wie ich es für diese Plot-arme Geschichte gebraucht hätte.
Eva Pramschüfer schreibt malerisch, was sehr zu den künstlerischen Seiten ihrer beiden Hauptfiguren passt, und voller Poesie, welche die Grenzen von Kapiteln oder Absätzen zu sprechen weiß. Und so sehr ich anerkenne, dass sie wirklich schön und vor allem besonders schreibt, entspricht es doch nicht meinem Geschmack. Eine poetische Sprache verhindert bei mir schon in geringen Mengen die emotionale Nähe zu den Figuren, die ich in literarischen Werken üblicherweise brauche und die mir auch hier wichtig gewesen wäre.
Dabei schafft Pramschüfer es unvergleichlich gut, die innere Zerrissenheit ihrer Figuren einzufangen, die Suche nach Zugehörigkeit in den Zwanzigern voller Authentizität abzubilden. Auch wenn ich phasenweise wirklich angestrengt war von der fehlenden Kommunikation des Paares, fand ich ihren Umgang miteinander doch überwiegend liebevoll und vor allem nachvollziehbar für eine Zeit im Leben, die bei vielen Menschen von Unsicherheiten geprägt ist.
Schwer gemacht wurde mir die Lektüre zudem durch die vielen Wechsel der Erzählperspektiven und Zeitebenen. Alles fließt ineinander, ohne klar gekennzeichnet zu sein und an der Stelle hätte ich einfach deutlich mehr Struktur gebraucht.
Eigentlich wollte ich noch schlechter bewerten, weil ich wirklich über einen Abbruch nachgedacht habe. Im letzten Drittel hat mich die Autorin aber doch noch erreicht und ich habe die ambivalente Emotionalität von Alma und Théo selbst fühlen können. Das Ende ist unglaublich gut gelungen, davor kann ich wirklich nur meinen Hut ziehen.
Es war nicht mein Buch, aber das liegt einfach nur an meinen sprachlichen Präferenzen. Wer Poesie mag und keine Plot-getriebene Geschichte sucht, sondern sich treibend mit den Figuren bewegen möchte, sollte dieses Debüt unbedingt lesen. Eva Pramschüfer verdient für ihr Talent eindeutig Aufmerksamkeit, auch wenn wir hier stilistisch nicht zusammengekommen sind.
NT




Schwer wie Sommerluft
Weißer Sommer ist wie eine melancholische Stimmung, in die man langsam hineingleitet. Hitze, flirrende Sommertage, unausgesprochene Gedanken und zwei Menschen, die sich lieben und gleichzeitig irgendwie verlieren.
Alma und Théo verbringen Zeit in Südfrankreich, und eigentlich passiert gar nicht so viel. Gerade daraus zieht das Buch aber seine Wirkung. Gespräche verlaufen ins Leere, Erinnerungen drängen sich in die Gegenwart, kleine Beobachtungen bekommen plötzlich Gewicht. Man merkt beim Lesen schnell dass es hier nicht um die Storyline geht, sondern um das Gefühl, wenn zwischenmenschliche Beziehungen langsam brüchig werden.
Der Stil ist poetisch, träumerisch. Ich konnte mich richtig hineinfallen lassen. Das Buch hat etwas sehr Echtes in der Art, wie es Beziehungen zeigt. Das ist ganz fein von der Autorin beobachtet und niedergeschrieben worden.
Ein melancholischer Sommerroman, der ein bisschen schwer im Bauch liegt, aber auf die Positive Art. Danke Eva, für dieses wunderbare Debüt!
Kat




langatmige Liebesgeschichte
Théo arbeitet bei seinem Vater als Steinmetz, möchte aber eigentlich Künstler sein und Skulpturen erschaffen. Alma studiert Journalismus, möchte aber eigentlich ebenfalls Künstlerin sein und malen. Die Beiden lernen sich kennen, als Almas Eltern von Théos Vater einen Grabstein kaufen. Dörfliches Frankreich trifft auf deutsche Großstadt, liebevoller Vater trifft auf kalte Familienstrukturen, einfache Verhältnisse auf Gutbürgertum. Trotzdem verlieben sich Alma und Théo ineinander, vielleicht weil Beide irgendwie einsam und emotional unreif sind. Alma überredet Théo mit nach München zu kommen, um dort Architektur zu studieren. Kaum ist Théo jedoch in München angekommen, wechselt seine Freundin nach Paris und wundert sich, warum Théo nicht glücklich mit ihrer Entscheidung ist. Alma will vor allem eins – sich selbst verwirklichen, ihre Jugend genießen, Dinge tun. Was völlig ok ist aber dann erwarte doch nicht von Deinem Freund, dass er ewig auf dich wartet und sei entsetzt, wenn er dann endlich eigene Pläne macht. Théo hat allerdings etwas Selbstzerstörerisches an sich und allein in Berlin, entwurzelt und unsicher, kommt das zum Vorschein – Théo bricht sein Praktikum ab, geht feiern, nimmt Drogen. Nun sitzen beide in Almas Haus in Frankreich und überlegen, wie und ob es mit ihrer Beziehung weitergehen soll. Alma sinniert ewig lange über Théos Verschlossenheit, will ihn reizen und dazu bewegen, ihr seine Liebe zu versichern. Dabei hat sie bereits Pläne, die Théo ein weiteres Mal ausschließen.
Ich mochte beide Protagonisten nicht. Beide haben familienbedingte Trennungsängste und halten deshalb an diesem Urlaubsflirt fest. Leider konnte mich auch der Sprachstil nicht überzeugen. Lauter weitschweifende Gedanken und viele Adjektiven plustern die Geschichte auf. Vielleicht hätte mir das Buch mit Mitte/Ende 20 besser gefallen.
Tara




ruhiger Roman
Dadurch, dass ich die Autorin bereits von den Sozialen Medien kannte und sie sehr sympathisch finde, war ich umso neugieriger auf ihr Debütroman. Das Buch handelt um Alma und Theo, wie ihre Beziehung zu Bruch geht und die beiden über den Sommer hinweg im Haus von Almas Eltern versuchen möchten zu entschieden wie es zwischen den beiden weitergehen soll. Das Buch hat keine große Handlung, sondern beschäftigt sich mehr mit den Gedanken, Gesprächen und Gefühlen der Protagonisten, weshalb ich es zwischenzeitlich immer wieder echt mühselig fand weiterzulesen. Obwohl die beiden Figuren sehr realistisch und authentisch sind, habe ich mich den beiden leider nicht wirklich nah gefühlt. Der Schreibstil der Autorin ist dafür wirklich sehr besonders, fast schon poetisch an vielen Stellen.
Wer auf der Suche nach einem ruhigen, gefühlvollen Buch mit einem wunderschönen Schreibstil ist, kann mit dem Buch nichts falschmachen.
Alo




Poetisch und bildgewaltig erzählt
Weißer Sommer von Eva Pramschüfer ist ein Buch, das sich leise entfaltet und dabei eine ganz eigene Sogwirkung entwickelt. Vor allem die Sprache hat mich sofort gepackt: so besonders, so fein und poetisch, dass ich am liebsten darin versunken wäre. Es ist eine dieser Geschichten, bei denen man nicht einfach nur liest, sondern regelrecht eintaucht. Vor meinem inneren Auge lief dabei ständig ein Film voller wunderschöner Bilder ab.
Im Zentrum stehen Theo und Alma, die sich in ihrer ersten großen Liebe begegnen. Vier Jahre später stehen sie an einem Punkt, an dem sie sich fragen müssen, ob Liebe allein noch reicht, um ihre Beziehung zu tragen.
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: im Jetzt, während eines Urlaubs in Frankreich, und in der Vergangenheit, in der sich Stück für Stück Theos und Almas gemeinsame Geschichte entfaltet. Am Anfang brauchte ich einen Moment, um mich in dieser Struktur zurechtzufinden, doch das hat sich schnell gelegt. Danach hat sich alles sehr stimmig angefühlt und die beiden Ebenen haben sich wunderbar ergänzt.
Was besonders hängen bleibt, ist die dichte Atmosphäre, die die Autorin erschafft. Alles wirkt ruhig, beinahe zart, und gleichzeitig liegt eine unterschwellige Spannung in der Luft. Der poetische Schreibstil verstärkt dieses Gefühl noch und macht das Buch zu einem sehr intensiven Leseerlebnis.
„Weißer Sommer“ ist keine laute Geschichte, sondern eine, die zwischen den Zeilen wirkt und genau darin liegt seine Stärke. 4,5/5 Sterne
barbara.liest




verwirrend
Von der Leseprobe war ich recht begeistert, die Lektüre konnte mich leider nicht überzeugen.
Die Geschichte von Alma und Theo - ihre Liebe scheint am Ende zu sein und sie wollen sich nochmal die Chance geben und erkennen ob sie noch zusammenbleiben können oder wollen.
Im Buch wechseln die Perspektiven immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Jeder blickt aus seiner Perspektive auf die Beziehung und auf den jeweils anderen.
Leider war mir das zu wechselhaft, hat mich verwirrt und ich konnte der Handlung nicht immer ganz folgen.
Die Beschreibung der Beziehung war sehr ausführlich, nach meinem Geschmack eher langatmig.
Ich hab das Buch bei der Hälfte abgebrochen, da ich mich gar nicht in die Geschichte einfühlen konnte.
Das Cover hat mir gut gefallen, die Qualität der Seiten und die Herstellung waren toll.
Piet1990




Sommerlich ruhig mit leiser Spannung
„Weißer Sommer“ ist ein ruhiger, atmosphärischer Roman, der sich langsam entfaltet. Im Mittelpunkt stehen Erinnerungen, Beziehungen und die feinen Veränderungen, die sich im Laufe eines Sommers ergeben.
Besonders gut gefallen hat mir die fast melancholische Stimmung. Die sommerliche Kulisse wirkt lebendig, gleichzeitig liegt eine unterschwellige Spannung in der Luft, die das Lesen angenehm trägt.
Der Schreibstil ist klar und zurückhaltend, oft sehr bildhaft. Vieles wird nur angedeutet, was gut zur Atmosphäre passt, aber auch etwas Geduld verlangt. Nicht jede Passage ist gleich packend, dafür entsteht insgesamt ein stimmiges Gesamtbild.
Fazit:
Ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, der weniger durch Handlung als durch Atmosphäre überzeugt. Ideal für Leser:innen, die leise Geschichten mit emotionaler Tiefe und feinen Zwischentönen mögen.
begine




Liebesroman
Das Buch „Weißer Sommer“ ist ein ganz ordentlicher Liebesroman von Eva Pramschüfer.
Sie hat einen angenehmen lockeren Schreibstil.
Die beiden Protagonisten Theo und Alma hat sie zu einem interessanten Paar gemacht. Sie sind grundverschieden. Alma ist Journalistin und Malerin, sie stammt aus einem begüterten Elternhaus.
Theo ist bei seinem Vater aufgewachsen, die Mutter hat sich früh aus dem Staub gemacht.
Das hat ihn geprägt. Er hat Steinskulpturen hergestellt.
Er zieht zu Alma nach München, aber das er von Alma abhängig ist belastet die Beziehung.
Die Autorin hat die verschiedenen Emotionen perfekt gestaltet.
Die Reibereien und Missverständnisse sind durchaus nachvollziehbar. Ich habe die Beiden gerne beobachtet, manchmal waren sie ichbezogen, aber ich konnte das gut verstehen.
Eva Pramschüfer kann gut schreiben und ich möchte den Roman gerne weiter empfehlen.
